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Sami Fayed Photography

So effektiv sind Hyänen....(Achtung, etwas blutig!)

Ich war ja vor kurzem in Uganda, genauer gesagt war ich zu Besuch in der Mihingo Lodge (siehe meinen letzten Beitrag). Dort hatte ich während meiner regulären Arbeit auch die Möglichkeit immer mal wieder die Tierwelt des Mburu National Parks zu bestaunen.

Ich gebe zu, die Tierwelt des Nationalparks ist nicht die, die man erwartet, wenn man sich in Ostafrika befindet. Großsäuger wie Elefanten und Giraffen fehlen, auch die großen Jäger wie Löwe und Gepard gibt es nicht. Wobei es angeblich einen einsamen Löwenmann im Park geben soll. Keiner, den ich gesprochen habe, hat ihn je gesehen. Manchmal soll man ihn brüllen hören können.

Dafür gibt es Leoparden und jede Menge Hyänen, wirklich jede Menge. Fast jede Nacht konnte ich ihr Geheul hören.

Auch ist die Anzahl der Antilopen, Zebras, Warzenschweine und Büffel recht hoch. Ich war wirklich überrascht, wieviele es von ihnen hier im Park gibt. Für die Jäger dieses Landstriches muss es wie ein Schlaraffenland sein.

In der Nähe der Lodge gab es sogar einen Bau der Hyänen. Natürlich bin ich dort hin gegangen, in der Hoffnung Bilder machen zu können. Aber wie so oft waren die Hausherren nicht anwesend. Durch ihr nächtliches Geheul war mein Interesse an den Hyänen geweckt und ich hoffte wirklich diese zugegebenermaßen nicht all zu hübschen Tiere vor die Linse zu bekommen. Zu dumm, das sie nachtaktiv sind….


Aber der Zufall kam mir zu Hilfe. Eines Tages kam ein Lodgegast und erzählte uns von einem toten Zebra, das direkt am Eingangsgate, nicht weit von der Piste entfernt läge! Und zwar noch komplett!

Das war unser Zeichen. Nichts wie ab in den alten Landy und hin zu dem Zebra. Und tatsächlich, da lag mitten auf dem Präsentierteller ein totes Zebra. Da es schon eine Nacht dort lag, war es natürlich nicht ganz unangetastet, aber die Fraßspuren stammten nicht von Hyänen. Vielleicht hat sich ein Leopard bedient, wir werden es nicht erfahren. Jedenfalls war das Zebra aufgebrochen und es fehlte ein wenig Muskelfleisch aus der Hüfte, ansonsten war noch fast komplett.

Wie das Tier zu Tode kam, konnten wir nicht erkennen, jedenfalls wurde es nicht gerissen. Scheinbar ist es an einer Kolik oder ähnlichem verstorben. Für uns ein absoluter Glücksfall.

Wir inspizierten das Zebra etwas genauer, bewunderten die Schmetterlinge, die die Körpersäfte der Zebras aufsaugten (übrigens immer nur die männlichen) und beschlossen später wieder zu kommen. Noch war es zu früh am Tag und viel zu heiß. 

 


Gegen 15:00 kamen wir zurück, stellten den alten Landy in gebührendem Abstand in den Schatten einer Akazie und warteten. Und selbstverständlich passierte, na was wohl, nichts.

Außer einer Horde Geier, die aber nicht an den Kadaver wollten, kam kein Tier vorbei. Warum die Geier nicht an den gedeckten Tisch wollten, ist mir ein absolutes Rätsel. Das Zebra war aufgebrochen, kein anderer Beutegreifer weit und breit zu sehen und wir waren ebenfalls weit genug entfernt. Warum griffen sie nicht zu? Vielleicht hat der ein oder andere geneigte Leser ein Antwort.



Da warteten wir also, es war warm, bzw. heiß und nichts tat sich. Irgendwann bekamen wir dann auch noch Hunger und beschlossen gegen 18:00 Uhr kurz zur Lodge zu fahren, etwas zu essen und wieder zurück zu kommen. Und das war ein gewaltiger Fehler.

Als wir vor 19:00 Uhr wieder am Zebra waren, hatte sich das Bild völlig geändert. Es war mittlerweile dunkel, die Sonne plumpst hier am Äquator regelrecht vom Himmel. Und am Zebra hatten sich 20 gezählte Hyänen eingefunden.



Zuerst flohen sie vor dem Landy, kamen aber schnell wieder zurück und ließen sich nicht von ihrem Mahl abhalten. Als unser Suchscheinwerfer, den wir mit einem Rotfilter bestückt hatten, die Szenerie ableuchtete, trauten wir unseren Augen nicht. Wir waren nicht einmal eine Stunde fort gewesen und von dem Zebra war kaum noch etwas übrig. Vor uns lag ein Haufen Knochen, und nur noch einzelne Fellstücke verrieten, das es das Zebra von vorhin war. Keine Stunde um ein ganzes Zebra zu verspeisen!



Da es sich um ein wohlgenährtes Zebra gehandelt hat, schätze ich das Gewicht auf ca. 300kg. Und wenn jede Hyäne sich den Bauch vollgeschlagen hat, bedeutet das, das jedes Tier ca.15kg gefressen hat und das in kürzester Zeit. Wir waren wirklich verblüfft. 



Was uns dann aber noch mehr erstaunte, war, wie die Hyänen das Zebra auffrassen. Wir blieben ungefähr 4h an dem Kadaver, erst mit einem etwas größerem Abstand, später dann verringerten wir den Abstand zum Platz des Geschehens auf ca.15m. Die Hyänen hatten uns sehr schnell akzeptiert, zuerst haben wir uns sehr, sehr ruhig verhalten, nur geflüstert und kaum bewegt, später dann konnten wir ganz normal reden und uns bewegen; sogar auf das Wagendach konnten wir klettern, ohne die Tiere zu stören. Auch unser roter Suchscheinwerfer störte sie nicht sonderlich, lediglich normales weißes Taschenlampenlicht mochten sie nicht. 



Es erschienen immer Zweier- oder Dreiergruppen an dem Kadaver und fraßen, in völliger Ruhe. Hatten sie genug, kam die nächste Gruppe dran, so ging das die ganze Zeit. Die restlichen Hyänen lagen entweder etwas abseits im Gras und schliefen oder wanderten mit größerem Abstand um das tote Zebra herum. Andere wiederum spielten gesellig im höheren Gras.



Es war ein absolut friedvolle Szenerie, da waren keine Blutverschmierten, gierigen Aasfresser, sondern  "wohlgesittete", friedvolle und gesellige Hyänen. Es gab keine Kämpfe um die Beute, keine Streitereien und überhaupt war es sehr, sehr still bei diesem Abendmahl. Lediglich ab und zu hörten wir einen Knochen brechen. 



Als dann eine Hyäne, ähnlich wie Wölfe, anfing zu Heulen, antworteten wir ihr und zu all unserer Überraschung antwortete sie auch. Mit all dem hatte keiner von uns gerechnet. 

Hier, an diesem Abend, wurde eindeutig das Bild der feigen, blutrünstigen Hyäne widerlegt, welches wir in unseren Köpfen hatten. Ich habe mit eigenen Augen sehen können wie hochsozial, schlau und charmant diese Tiere sein können. Und ich bin dankbar dafür. 

Allerdings habe ich auch schon andere Szenen von Hyänen gesehen, nicht live vor Ort, sondern in Fernsehdokumentationen und das hier Geschehene passt so gar nicht dazu. Ich denke, dieses friedvolle Verhalten hängt mit dem Fehlen von Nahrungskonkurrenten, wie z. B. dem Löwen, zusammen. Es stört sie einfach niemand und macht ihnen ihre Beute streitig. Warum sollten sie also das uns bekannte Verhalten an den Tag legen?

Trotzdem bin ich bis Heute von der Effizienz, mit der die Hyänen das Zebra verspeist haben erstaunt und ich muss gestehen: Seit diesem Abend sind mir Hyänen ein wenig ans Herz gewachsen und haben viel von ihrem Negativimage verloren. Es sind anmutige, schlaue und hochsoziale Tiere die es verdienen, dass ihrem schlechten Ruf widersprochen wird.

Und ich glaube, man kann mit Recht behaupten das Hyänen die Topjäger in Afrika sind.

Im übrigen sei erwähnt, dass alle Hyänen - trotz ihres hundeartigen Aussehens - nicht zu den Hundeartigen gehören, sondern zu den Katzenartigen.

Am nächsten Morgen sind wir nochmals zum Kadaver gefahren um nachzuschauen, wie viel noch übrig war vom Festschmaus. Wir fanden lediglich das blanke Teilgerippe. Alles Fleisch, das Fell, die Innereien und viele Knochen wurden in dieser Nacht gefressen.


 

Anmerkung:

Dieser Bericht stellt meine persönliche, vollkommen subjektive Ansicht der Geschehnisse dar und hat keinerlei wissenschaftliche Untermauerung.